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Hochleistung im Kinderzimmer: Warum Spielen Lernen ist

Hochleistung im Kinderzimmer: Warum Spielen Lernen ist

Prof. Dr. med. Oskar Jenni, Leiter der Entwicklungspädiatrie am Kinderspital Zürich, begeisterte am Elternabend für Kindergarten- und Unterstufeneltern aus Endingen und Tegerfelden am 31. März mit einer leidenschaftlichen Liebeserklärung an das freie Spiel. Seine Botschaft: Spielen ist kein Zeitvertreib, sondern die wichtigste Arbeit der Kindheit.

Dass Spielen eine existenzielle Bedeutung hat, verdeutlichte Jenni mit einem Vergleich zum Schlaf: „Wie beim Essen oder Schlafen gibt es eine homöostatische Regulation“, erklärte er. Werden Kinder am Spielen gehindert, holen sie dies später umso intensiver nach. Spiel ist tief in der Natur verwurzelt – und zwar nicht nur beim Menschen. Je grösser das Gehirn und je höher entwickelt eine Spezies, desto ausgeprägter ist ihr Spieltrieb. Ob Affen, Hunde oder kluge Vögel wie Raben und Kakadus – sie alle spielen. Die Forschung zeigt sogar: Je mehr eine Spezies spielt, desto höher ist ihre Lebenserwartung.

Doch was genau meinen Kinder selbst, wenn sie von „Spielen“ reden? Jenni zitierte dazu aus einer aufschlussreichen Studie und untermauerte die Aussagen mit Kurzfilmen. Die Antworten waren so individuell wie die Kinder selbst, und doch schälten sich klare Merkmale heraus: Echtes Spiel dient dem Selbstzweck und passiert spontan. Es löst positive Emotionen aus und ist oft ein „Tun, als ob“ – eine Welt, in der Kinder ganz unter sich sind. Meist hat es einen Bezug zu einem Objekt und führt fast immer zu sozialen Interaktionen.

Der Experte unterschied zwischen dem freien Spiel (Play) und dem Regelspiel (Game). Das freie Spiel ist die „Krönung“ der frühen Kindheit: Hier üben Kinder ohne festes Ziel die Welt der Erwachsenen ein. Regelspiele wie Gesellschaftsspiele fördern später nicht nur die Frustrationstoleranz, sondern auch das strategische Denken, die Geduld und das gemeinsame Aushandeln von Regeln. „Man kann erst schummeln, wenn man die Perspektivenübernahme entwickelt hat“, erklärte Jenni schmunzelnd.

Besonders entlastend dürften Jennis Ratschläge für die Eltern gewesen sein. Man müsse nicht ständig mitspielen oder jede Minute anleiten. Viel wichtiger sei es, den Kindern den Freiraum zu lassen und das, was sie tun, wertschätzend zu geniessen. Sein wohl pragmatischster Rat des Abends: „Legen Sie dabei auch mal das Handy weg.“ Starke Eltern zeichnen sich nicht durch ständige Animation aus, sondern dadurch, dass sie miteinander im Austausch bleiben (Buchtipp: «Miteinander reden», Patricia Lannen und Oskar Jenni).

Als Dankeschön wurde Oskar Jenni mit einer Endinger Nusstorte und einem Tegerfeldner Wein verabschiedet. Dass das Thema Lust auf die Praxis machte, zeigte sich direkt im Anschluss: Die Lehrpersonen hatten im Schulhaus verschiedene Spielstationen vorbereitet, die durch die Plattform spielliste.ch inspiriert waren, und standen bereit, um die Spiele zu erklären. Die Eltern nutzten die Gelegenheit rege, wurden selbst aktiv und probierten die Angebote aus. Dabei entstanden viele angeregte Gespräche zwischen Eltern und Lehrpersonen. Ein Abend, der eindrucksvoll zeigte: Das Thema Spiel verbindet – über alle Altersgruppen und über die Gemeindegrenzen hinweg.

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